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Sektion II (S.69 bis 134)
Psychologische Resultate von körperlicher Erziehung
Einige assozieren körperliche Erziehung bzw. Sport automatisch mit Effekten auf die Persönlichkeit von Schülern, sowie auf kognitive Funktionen. Die positiven Effekte der Persönlichkeitsbildung durch Sport wurde gerne benutzt, um den Sportunterricht zu rechtfertigen. Da aber keine Studien vorhanden sind, die das unterstützen, werden diese Argumente von den meisten europäischen Ländern nicht mehr benützt. Denn Sport produziert weder positive noch negative Resultate einfach so. Es hängt stark davon ab wie Sportlektionen geplant und organisiert sind.
Kapitel 4: Theorien, Untersuchungen, Empfehlungen für die Praxis
Einleitung:
Als Sportlehrer musst du informiert sein, was für einen psychologischen Einfluss dein Unterricht auf die Schüler haben kann und wie du psychologische Resultate erzielen kannst. Zwei Gründe, warum dies wichtig ist: erstens, wird es dir helfen die richtigen Entscheidungen beim Unterrichten zu machen. Und zweitens wird dir dieses Wissen helfen, die Wichtigkeit von qualtitativ gutem Sportunterricht zu beführworten.
Gewünschte gegen tatsächliche Resultate:
Der Prozess Unterrichten-Lernen ist eine dynamische Interaktion zwischen Lehrer, Schüler, Aufgabe und Umfeld. Durch diese Interaktion können sich ganz verschiedene Resultate ergeben, die nicht zwingend gewollt waren. Psychologische Ergebinisse basieren auf gutes Planen und überdachtes Unterrichten. Pädagogische Kompetenz ist ebenfalls bedeutend. In diesem Prozess Unterrrichten-Lernen fliesst die Persönlichkeit des Lehrer (Hintergrund, Sozialisation, persönliche Theorien, Kognition und Verhalten) deutlich mit ein. So können die Ziele im Curriculum von Lehrer zu Lehrer anders gewichtet werden. Zu dieser Interaktion gehören auch die Schüler und deshalb ist es naheliegend, dass auch die Persönlichkeit eines Schüler Einfluss auch das Unterrrichtsgeschehen haben kann.
Sportunterricht und psychologische Resultate haben keine direkte Verbindung. Stattdessen wird Unterrichten nur als einen Einfluss auch das Denken der Schüler gesehen. Eine sozial-kognitive Untersuchung über Motivation und Lernen hat klar gezeigt, dass das Denken der Schüler ihre Vorlieben, motivationales Verhalten und den Erwerb von Fähigkeiten beeinflusst. Aus dieser Sicht ist es wichtiger, was die Schüler tun, als das was der Lehrer tut.
Der Lehrer spielt eine wichtige Rolle in der Schaffung einer lernfreudigen Atmosphäre, um so das Denken der Schüler zu beeinflussen. Wie auch immer, die Rolle des Lehrers ist es nicht, das Lernen der Schüler direkt zu beeinflussen, sondern, der Lehrer schafft ein Umfeld, dass die Wahrnehmung und das Denken der Schüler beeinflusst, damit wichtige psychologische Ergebnisse realisiert werden können. (siehe Grafik S.76)
Psychologische Resultate: Schwerpunktsetzung
Motivation, Strategien zur Zielerreichung, Vorlieben, Selbstwahrnehmung und sozial-moralisches Verhalten.
Motivierende und emotionale Ergebinsse
Fundamental ist die Motivation. Die optimiert das Lernen der Schüler und fördert das lebenslange Interesse an Sport. Deshalb ist es wichtig ein motivierendes Klima zu schaffen, damit sie sich schwierigen Aufgaben stellen und auch wohl fühlen in der Sportstunde. Je nach dem welche Ziele sich die Schüler stecken, desto unterschiedlich erleben sie die Sportstunde. Nach Nicholls (1989) ist das motivierende Klima der Vorläufer von verschiedenen kognitiven, motivierenden und emotionalen Konsequenzen.
Zielerreichung:
Wenn Schüler mit einer Situation konfroniert werden, ist es ihr Ziel Kompetenz zu zeigen. Kompetenz oder anders gesagt, die Fähigkeiten sind bei jedem Schüler verschieden. Zu unterscheiden ist: Ich-orientierte Zielerreichung (sich mit anderen messen) und Aufgaben-orientierte Zielerreichung (seine Fähigkeiten einzusetzen und sich weiterzuentwickeln). Kinder gehen durch vier verschiedene Entwicklungsstadien auf dem Weg zur Reife. Ohne ins Detail zu gehen, werden die Hauptpunkte erwähnt. Dieser Entwicklungsprozess geht von ca. 4 bis 12 Jahren. In einer frühen Phase sind Kinder vor allem Aufgaben-orientiert, in welcher sie eine undifferenzierte Vorstellung von Fähigkeit haben. Für sie heisst hohe Fähigkeit maximalen Einsatz zu geben. Ich-orientiert ein Ziel zu erreichen, setzt ein höheres Entwicklungsstadium voraus, da die Kognition weiter sein muss, um überhaupt eine differenzierte Sicht von Fähigkeiten zu erkennen. Das heisst Schüler können unterscheiden zwischen Glück, Zufall und Können, Fähigkeit bzw. Können, Fähigkeit und Aufgabenschwierigkeit. Gemäss dieser Zielerreichungstherorie sind Kinder von Natur aus Aufgaben-orientiert, bis sie sich weiterentwickelt haben. Die Eigenschaften eines Aufgaben-orientierten, motivierendem Klima:
− neue Fähigkeiten lernen und Fortschritte machen
− Fehler bilden einen Teil vom Lernprozess
− Vielfälltigkeit in der Aufgabenauswahl, um alle Schüler zu erreichen
− Lehrer, die Schüler auffordern neue Bewegungen zu erlernen
Ein Aufgaben-orientiertes Klima fördert auch die Interaktion zwisch Lehrer und Schüler, was zur Eigenständigkeit der Schüler führt. Dies ist wichtig, weil Eigenständigkeit die Basis für intrinsische Motivation ist.
Studien:
Verschiedene Studien haben ergeben, dass Aufgaben-orientierte Schüler eine viel höhere intrinsische Motivation haben, als Ich-orientierte Schüler. Das heisst, dass hohe Aufgaben / niedrige Ich-orientierte Schüler ihre intrinsische Motivation behalten können, auch wenn ihre Testleistung eher schlecht ausfällt.
Die Botschaft ist klar. Um positive, motivierende Resultate zu fördern und negative emotionale (bsp. Angst) zu mindern für Schüler mit niedrigen oder hohen wahrgenommenden Fähigkeiten im Sport, sollte der Lehrer sicherstellen, dass alle Schüler das Klima als Aufgaben-orientiert wahrnehmen. Warum eigentlich? Es scheint, das die Schüler so einfacher die Möglichkeit haben ihre Fähigkeiten zu entwickeln.
Empfehlungen für die Praxis
Der Lernprozess sollt hauptsächlich in einem Aufgaben-orientierten Klima stattfinden. Das bedeutet, das Tests und Wettkämpfe bei dem soziale Vergleiche verstärkt sind, abgeschwächt werden müssen. Den Schülern soll auch Raum gelassen werden, um bei Entscheidungen mitzubestimmen, vor allem auch das Schwierigkeitslevel. Damit auch keine Ungleichheiten in Bezug auf die Erwartungen vom Lehrer her möglich sind, sollte das Unterrichtsklima Aufgaben-orientiert ausgelegt werden.
Die Verbesserung des Selbstwertgefühls als Ergebnis
Das Selbstwertgefühl wird oft als wichtige, erzieherische Zielsetzung betrachtet. Es ist ein Indikator für mentale und soziale Anpassung, subjektives Wohlgefühl und auch allgemeine Zufriedenheit mit dem Leben. Die Konsequenzen von gefördertem Selbstwertgefühl umfassen einen positiven emotionalen Zustand und verstärkte Motivation. Im Gegensatz dazu kann ein niedriges Selbstwertgefühl zu Stress führen. Grundsätzlich hat der Sportunterricht das Potential zur Entwicklung des Selbstwertgefühls durch Steigerung der Eigenwahrnehmung eines Schüler.
Selbstwertgefühl: Terminologie, theoretische Annäherungen und Modelle
In der Terminologie gibt es Wörter wie: Selbstbild, Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Selbstwert. Diese Begriffe voneinander abzugrenzen und zu definieren ist je nach Autor unterschiedlich.
Ein multidimensionales Modell besagt, dass das generelle Selbstwertgefühl aus der Selbstwahrnehmung resultiert. Bei der Betrachtung des eigenen Selbstwertgefühl entsteht eine Diskrepanz zwischen dem idealen Selbst und dem realen Selbst.
Die Betrachtung des Körpers und seinen Funktionen, Erscheinung und Fähigkeiten sind zentrale Aspekte des Selbstwertgefühl. Körperliches Selbstwertgefühl wird als Anhäufung von wahrgenommener Sportkompetenz, Attraktivität, physischer Stärke und Kondition gesehen.
Das Selbstwertgefühl ist ein Produkt aus sozialen Interaktionen. Schüler formulieren ihr eigenes Bild ihres Selbstwertgefühls, in dem sie die Bewertung anderer bezogen auf ihr Verhalten und Absichten beschreiben würden. In anderen Worten, der Lehrer sowie auch die Eltern nehmen Einfluss auf die Ausbildung der Selbstwahrnehmung eines Schülers. Eine andere Theorie besagt, dass soziale Vergleiche fundamental für die Ausbildung der Selbstwahrnehmung sind. Junge Menschen vergleichen ihre Kompetenzen mit denjenigen der Eltern, um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu bestimmen. Dies geschieht ab einem Alter von 6-7 Jahren. Die Zuordnung oder wie die Schüler versuchen ihr Erfolg im Sportunterricht zu beschreiben, kann die Selbstwahrnehmung auch beeinflussen. Speziell die Schüler, die die Eigenverantwortung über den Erfolg bestimmen (innere Attribution) tendieren zu höherem Selbstwertgefühl. Zusammenfassend ist das Konzept der Selbstwahrnehmung eingebettet in verschiedene theoretische Perspektiven. Diese Perspektiven ermöglichen eine grosse Variation wie die wahrgenommende Kompetenz im Sportunterricht geschult werden kann. Das kann ein Vergleich mit Mitschüler, Modellen, erfolgreichen Versuchen, Geschwindigkeit beim Erlernen neuer Fertigkeiten und Selbstattribution sein.
Wie die Art der Kommunikation und das Verhalten des Lehrers, sowie die Erwartungen und das Feedback ist, ist wichtig für die Formung der Selbstwahrnehmung des Schülers. Zum Beispiel kann übertriebenes Lob für eine einfach gemeisterte Aufgabe zur Senkung der Selbstwahrnehmung führen, da ein solches Feedback eine niedrige Erwartung seitens der Schüler ausdrückt. Es braucht also Sportlehrer, die in der Lage sind effektiv zu kommunizieren, d.h. qualitativ gutes Feedback und realistische Erwartungen, um die körperliche Kompetenz und das Selbstwertgefühl zu fördern.
Empfehlungen für die Praxis
Sportlehrer können Einfluss haben auf die Selbstwahrnehmung der Schüler. Um dies zu erreichen, muss die Qualität der Kommunikation stimmen. Zudem können Lehrer durch eine Vielfalt von Aktivitäten die wahrgenommene Selbstwirksamkeit der Schüler fördern. Weiter soll ein kooperativer Unterricht im Vordergrund stehen und ein Aufgaben-orientiertes Klima dafür sorgen, dass das Selbstwertgefühl positiv beeinfluss wird.
Soziale und moralische Ergebnisse
Der erzieherische Wert von Sportunterricht beinhaltet ihre Fähigkeit pro-soziales Lernen, Einstellungen und Verhalten zu begünstigen. Wie zum Beispiel Objektivität, Fairplay und die Regeln einzuhalten kommt eine grosse Bedeutung zu. Der Lehrplan beeinhaltet immer mehr soziale und moralische Ziele.
Theoretische Perspektiven sozial-moralischer Kognition und Verhalten
Zwei Theorien: Sozial-kognitive Lerntheorie (Bandura,1991): Moralische Entwicklung als Ausmass für individuelles Verhalten, welches den sozialen Erwartungen und Normen entspricht. Die Beziehung zwischen moralischem Denken und Handeln ist durch die moralische Vermittlung impliziert. Moralische Vermittlung beinhaltet selbstregulierende Mechanismen. Diese Funktionen in Kombination mit sozialen Sanktionen, Bestärkungen und Modellierung fördern prosoziales Lernen. Strukturierte Entwicklungstheorie: Moralische Entwicklung als individuelle Neigung sich im Einverständnis mit dem eigens erlangten moralischen Lernlevels zu verhalten. Die sozial-moralische Entwicklung wird als mentale Struktur gesehen, die durch eine Serie von eindeutigen Stadien läuft. Ein normaler Weg der Entwicklung ist eine immer grössere Fähigkeit, die Perspektive eines anderen einzunehmen und sich einfühlsam und empahtisch zu verhalten.
Studien haben gezeigt, dass spezifische Sportprogramme zur Förderung der sozial-moralischen Kompetenz sich positiv auf das Verhalten und Denken der Schüler auswirken im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das zeigt, dass die Teilnahme am Sportunterricht nicht automatisch diese Resultate erzielt, sondern System und Organisation voraussetzt.
Undgewünschte Resultate
Sportunterricht kann sein erzieherischer Wert verlieren, wenn die Schüler nicht wie moralisch verantwortliche Individuen handeln. Negative Auswirkungen können Aggrassivität, fehlendes Fairplay und antisoziales Verhalten sein.
Zurück zur Zielerreichungtheorie: Auch hier ist ein Aufgaben-orientierter Unterricht erfolgreicher bei der Vermittlung einer Moralvorstellung. Die Schüler sind mit der Verbesserung ihrer Fertigkeiten und mit der intrinsischen Erfahrungssammlung beschäftigt. Im Gegensatz zum Ich-orientierten Unterricht, wo die Fairness und Gerechtigkeit untergraben werden kann. Der Schüler denkt: „ich tue alles um zu gewinnen, egal was es kostet“.
Empfehlungen für die Praxis
Der Sportlehrer muss Fairplay zum Thema machen und bei antisozialem Handeln klare Sanktionen erteilen. Weiter soll der Lehrer moralische Dilemmas provozieren, damit die Schüler Entscheidungen betreffend Fairness treffen müssen. Der Lehrer muss die Schüler ermutigen mehr Verantwortung zu übernehmen. Zudem scheint ein Aufgaben-orientiertes Klima für pro-soziales Lernen förderlich zu sein.
Kapitel 5: Entwicklung der Selbstwahrnehmung während der Schulzeit
Einleitung
Die eigenen Erfahrungen in der Kindheit prägen sich ein. Im Sport erfolgreich zu sein, ist dann besonders wichtig, wenn man nach Aufmerksamkeit sucht. Das können die Eltern, Lehrer, Trainer oder Bekannte sein. Diese Aufmerksamkeit berührt unser Stolz, so können verschiedene Ereignisse unsere Selbstwahrnehmung modifizieren im positiven sowie negativem Sinn.
Was sind Selbstwahrnehmungen?
Selbstwahrnehmungen sind wichtig um menschliches Verhalten zu verstehen. Die Selbstwahrnehmung wie auch das Selbstwertgefühl sind verbunden mit der Motivation, psychologischem Wohlgefühl und zwischenmenschlichem Verhalten.
Im Moment gibt es noch keine kompletten Studien über das Selbstwissen. Es gibt jedoch Ansätze, die versuchen das Selbst zu beschreiben. Wie die kognitiv-konstruktivistische Theorie. Das Selbst wird als System gesehen. Dieses System besteht aus tiefen Strukturen als stilles Selbstwissen (eine Person nimmt sich selst und die Welt als stabil und beständig wahr, im Unterbewusstsein) und aus oberflächlichen Strukturen als Reprensentation (sind explizite und ausgesprochene Modelle vom Selbst, v.a. linguistisch, im Bewusstsein, haben Einfluss auf die Wahrnehmung, z.b auf die Kompetenz oder das Selbstwertgefühl). Die meisten anderen Untersuchungen befassen sich mit den oberflächlichen Strukturen. Das Selbstkonzept ist oft ein Synonym für die Selbstwahrnehmung, welches die ganze Bandbreite über die möglichen Selbstwahrnehmungen abdeckt. Das Selbstwertgefühl beschreibt eine übergreifende oder generelle Auswertung über das Selbst, die Zufriedenheit mit sich selbst und das Gefühl wertvoll zu sein.
Entwicklung der Selbstwahrnehmung
In der späten Kindheit (8 bis 12 Jahren) wird das Selbst in Beziehung mit normativ körperlichen und sozialen Standards gesetzt. Kinder charakterisieren sich eher durch Vergleiche mit anderen als durch absolute Werte. In diesem Alter verstehten die Kinder nicht, dass Fähigkeiten, Kapazitäten, Anstrengung und Üben alles einen Einfluss auf das Endresultat hat. Erst im Alter von 12 zu 13 sind sie fähig in dieser Hinsicht wie Erwachsene zu denken. Deshalb sollte der Trainer Wettkämpfe nicht überbewerten, da die Kinder es nicht auf die gleiche Weise verstehen. Aber sie bemerken, wenn die Erwachsenen nicht zufrieden sind. Bei Kindern im Alter von 12 oder 13 Jahren, sollte aufgepasst werden, da es schnell zu einem Gefühl von Inkompetenz führen kann.
Die meisten Entwicklungsstudien werden mittels Fragebogen untersucht. Marsch (1989) ist durch seine Studie auf eine U-förmige Entwicklung während der Adoleszenz gekommen. Es zeigt das ein positives Bilde seines Selbstkonzepts während der späten Kindheit abnimmt und dann wieder steigt in der frühen bis mittleren Adoleszenz. Diese allgemeine Trend gilt für beide Geschlechter. Der Abfall ist am stärksten bei 7 bis 8 Jahren. In diesem Alter entwickelt sich die Fähigkeit sich mit anderen zu vergleichen und deshalb wahrscheinluch der Abfall der eigenen Selbstwahrnehmung. Danach entwickelt sich die Kognition weiter und die Fähigkeit steigt sein Selbstbewusstsein auszuwerten, die Kurve flacht ab.
Trotz des Abfalls ist die durchschnittliche Selbstwahrnehmung unter Schulkindern positiv.
Während der Adoleszenz bewahren Jugendlichen eine hohe Stabilität ihrer Selbstwahrnehmung. Wobei die der Mädchen immer etwas niedriger ist, als die der Jungen. Diese Hohe Stabilität während der Adoleszenz kann eine frühe Entstehung eines fixen Selbstkonzept aufzeigen. Das heisst dass die Wahrnehmung der Jugendlichen ihrer physischer Kompetenz, positiv oder negativ, ziemlich stabil ist. Deshalb benötigen sie mehr Zeit und viel Ermutigung des Lehrer um sich in ihrer Selbstwahrnehmung weiterzuentwickeln.
Schüler mit physischer Unfähigkeit und Schwierigkeiten bei Bewegungsauführungen haben meist eine niedrigere Selbstwahrnehmung als ihre fähigen Mitschüler. Solche Schüler schauen lieber zu, meiden Wettkämpfe, Tests, zeigen eine Aufgabe nicht gerne vor, fühlen sich nicht in einer Gruppe gewollt, strengen sich nicht an und fühlen sich im Sport unwohl. Um diesen Schülern ein positives Bild ihrer Selbst zu geben, kann sehr herausfordernd sein.
Unterschiede der Selbstwahrnehmung von Jungs und Mädels: Jungs stufen ihre physische Kompetenz höher ein als Mädchen, deshalb sind sich auch eher sportlich aktiv. Im Gegensatz dazu fällt die soziale Kompetenz bei Mädchen höher aus. Mädchen sind weniger zufrieden mit ihrem Äusseren. Jungs haben ein eher höheres Selbstwertgefühl, da sie zu einem prahlerischen oder narzistischen Selbstkonzept tendieren.
Förderung der Selbstwahrnehmung in der Schule
Die Hauptpunkte zur Verbesserung und Entwicklung eines Selbstkonzept unter den Schülern sind: Kompetenz, Bedeutung, soziale Unterstütung.
Kapitel 8: Perceived Motor Competence: Self-Referent Thinking
(Chapter 8 p.187-210)
Wahrgenommene Kompetenz:
Die Wahrgenommene Kompetenz ist die persönliche Empfindung und Haltung mit denen eine Person eine Aufgabe angeht. Es ist der Eindruck der eigenen Fähigkeiten, die jemand von sich hat, um in einer Situation erfolgreich zu handeln.
Jemanden, der sich kompetent fühlt, hat keine Angst etwas neues auszuprobieren. Hingegen, wer sich inkompetent fühlt, würde eine bestimmte Art von Aufgabe gar nicht mal anfangen (z.B. alle Ballsportarten- „ich kann keine Ballsportarten“). Der Eindruck der eigenen Gelegenheiten und Ressourcen hat einen grossen Einfluss auf das folgende Benehmen der Person.
Die Messung der Wahrgenommenen Kompetenz durch die SPPC- Methode (Self Perception Profile for Children)
In diesem Test muss sich das Kind zwischen zwei Sätze entscheiden(auf sich bezogen). Der eine bezieht sich auf Kinder, die gut sind bei einer bestimmten Tätigkeit und der andere auf jene, die nicht so gut sind. Dann muss sich das Kind entscheiden ob es sehr zutrifft oder nur teilweise. Damit beurteilt das Kind die eigene Situation. Was bei dieser Studie herauskam ist: 1. dass es Geschlechtsunterschiede gibt. Jungen können viel besser ihre motorische Kompetenz einschätzen als Mädchen. Die Mädchen scheinen die Leistung der Jungen als Masstab zu nehmen. 2. dass wahrgenommene motorische Kompetenz in positiven Zusammenhang zur Sportpartizipation ist. Höhere Niveaus an wahrgenommene Kompetenz sind mit intensivere sportliche Beteiligung und weniger Sport Abbrüche gekoppelt. Van Rossum und Vermeer(1992b) haben den Zusammenhang zwischen wahrgenommene Motorische Fähigkeit und tatsächliche Motorische Fähigkeit untersucht. Bei 5 -12 Jährige Kindern besteht dabei keinen grossen Zusammenhang. Als allgemeine Schlussfolgerung kann man sagen, dass die eigene Einschätzung der motorischen Kompetenzen nicht unbedingt der tatsächlichen Kompetenzen übereinstimmt. Beide Variablen scheinen unterschiedliche Informationen zu enthalten.
Die Selbstwahrnehmung der Kindern: Unter- und Überschätzen
Unterschätzen: Kind mit hoher aber tief wahrgenommener Kompetenz Überschätzen: Kind mit tiefe aber relativ hohe wahrgenommener Kompetenz
Diese zwei Kategorien von unrealistischen Kindern basieren dich auf zwei Variablen: -Wahrgenommene motorische Kompetenz (z.B. Messbar durch den SPPC- Test) und die Tatsächliche Motorische Kompetenz (messbar durch Praxis- Tests)
Studie mit 5.Klässler:
Unterschätzende Schüler: -Verlangen eine tiefere eigene Leistung und sind damit viel schneller zufrieden mit dem Erreichtem. -Erfolg ist „Glücksache“, Misserfolg ist wegen der eigenen fehlenden Fähigkeit. -Sie sind weniger konsequent und weniger ausdauernd bei schwierigen Aufgaben - sie leben/leiden in der Illusion der Inkompetenz - brauchen eher die Unterstützung der Lehrer -weil ihre Ziele niedrigerer sind, erreichen sie sie schneller und verbessern sich wenig
Überschätzende Schüler: -setzen ihre ziele viel zu hoch - brauchen damit viel schneller die Hilfe der Lehrer. -braucht vom Lehrer eingeführte Vorsichtsmassnahmen zur Verhinderung von Unfällen.
- Kinder sollten erfahren und verstehen warum ihr verhalten zu Erfolgs-/ Misserfolgserlebnisse führt.
- Unter- und Überschätzer kann man als „aktive“ bezeichnen, die für ihren Misserfolg sorgen.
Das Rad der Sportlichen Leistung (Folie p.7, Buch p.201)
Das Rad zeigt den Zusammenhang zwischen Erfolg, Wahrgenommene Kompetenz, Erfolgserwartung und die Bemühungen. Jedes der einzelnen Teile hat einen Einfluss auf die anderen. Die von jemanden befolgten Ziele und deren Wertvorstellung sind von grosser Bedeutung, da sie einen ziemlich direkten Einfluss haben. Bisheriger Erfolg führt zu weitere Erwartungen an Erfolg in der Zukunft. Dabei nimmt die Wahrgenommene Kompetenz zu. Das Negative, das mit diesem Rad gezeigt werden kann, ist dass Misserfolg zu einer negativen Sicht der eigenen Kompetenz führt, zu Erwartungen zu weiteren Misserfolge und weniger Bemühung. Die Hauptaufgabe des Sportlehrers ist das Rad in eine Aufwärtsgehende Spirale zu verwandeln. D.h. immer höhere aber erreichbare Ziele, damit auch Bemühungen, Kompetenz, Erfolg und Erwartungen immer mehr steigen. Damit das geschehen kann, sollte womöglich der Unterricht individualisiert werden. Z.B die Klasse in verschiedene Leistungs-Gruppen einteilen.
Schlüsselpunkte:
- die Weise, wie eine Person die eigene Fähigkeiten wahrnimmt ist bestimmend für die Aneignung neuer Fähigkeiten. Positive Wahrnehmungen fördern das Ausprobieren neuer Aufgaben, negative Wahrnehmungen demotivieren und hemmen das Ausprobieren.
- die Wahrnehmung der eigenen Kompetenzen unterscheidet zwischen kognitive, soziale, physischen und motorischen Fähigkeiten.
- mehrere wissenschaftliche Instrumente sind erschaffen worden um die Wahrnehmung der Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu messen.
- Untersuchungen haben angenommen, dass höhere wahrgenommene motorische Kompetenzen einen positiven Zusammenhang haben mit mehr Interesse an Sportunterricht und Sport im Allgemeinen.
- Die Abschätzung der eigene Fähigkeiten hängt von externe und interne Faktoren ab z. b. die Feedbacks von den Mitschülern und die eigenen Wahrnehmung
- Einige Kinder unter- andere überschätzen ihre sportliche Leistungen
- im Sportunterricht sollten auch die unrealistischen Selbsteinschätzungen der Kinder angesprochen werden.
- Unrealistische Wahrnehmungen der Kinder führen zu hohe oder zu tiefe Zielsetzungen. Beide führen zu Ineffektivität und Misserfolg. Dies wird zur folge haben, dass demotiviert werden neue aufgaben zu befolgen und dass sie negative Selbstwahrnehmungen haben
- Das Positive der Entwicklung im Sportunterricht ist nicht nur neue motorische Fähigkeiten anzueignen, sondern auch positive Gefühle der Bewältigung der schwierigen Aufgaben zu haben. Das führt zur Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls
- Die Aufgabe der Sportlehrer ist den Schülern die Möglichkeit zu geben, die eigene Leistung selbst zu beurteilen und ihnen zu helfen die Verknüpfung zu machen zwischen der tatsächlichen Bewegungsausführung und dem erwarteten Bewegungs- Erfolg
Kapitel 9: Perceived Difficulty, Resources Investment and Motor Performance
(Chapter 9 211-232)
Wahrgenommene Schwierigkeit (perceived Difficulty):
Die wahrgenommene Schwierigkeit ist die subjektive Einschätzung der Anforderung einer Aufgabe. Die wahrgenommene Schwierigkeit widerspiegelt die Menge der Ressourcen oder Anstrengung mit denen die Ziele erreicht wurden. Wahrgenommene Schwierigkeit ist weder mit Objektive Schwierigkeit noch mit subjektiver Leistung in direktem Zusammenhang. Wenn eine Aufgabe als „schwer“ eingeschätzt wird, hängt das mit dem grossen Aufwand der betrieben worden ist (oder noch werden muss) um die Aufgabe zu bewältigen.
Aufgabe Schwierigkeit > < Ziel Schwierigkeit
Eine Untersuchung zeigt, dass beide Aufgabe- und Zielschwierigkeit einen Einfluss auf die Leistung haben, dies aber in Entgegengesetzten Richtungen: Bei einer gegebenen Aufgaben-Schwierigkeit führten schwierige Ziele zu besseren Leistungen als bei einfachen Zielen. Hingegen bei gegebener Ziel-Schwierigkeit war die Leistung schwächer bei Schwierigen Aufgaben als bei Einfachen.
Wahrgenommene Schwierigkeit hängt mehr von der Einschätzung der Ziel- Schwierigkeit ab, als von der Aufgaben- Schwierigkeit. (Mister Markus Gerber het dä satz eso schriibe: Die wahrgenommene/antizipierte Schwierigkeit hängt mehr von den gesetzten Zielen ab als von den aus einer Aufgabe resultierenden Anforderungen)
Wahrgenommene Schwierigkeit und motorische Leistung
Je schwieriger die Ziele desto höher die Leistung. (Latham und Locke,1975) Schwierige Ziele beauftragen führt zu mehr Anstrengung und bessere Ausdauer bis zur Erreichung des Zieles oder Teilzieles. Oft trauen sich die Lehrer nicht schwierige Aufgaben zu stellen aus Angst von Enttäuschungen der Schüler. Die Beauftragung von anspruchsvollen Zielen ist aber notwendig um richtige Anstrengung und Lern-Prozesse hervorzurufen. Die Ziele müssen aber realistisch sein. Um Schüler zu motivieren müssen sie die Ziele, selbst wenn sie sehr schwierig sind, erreichbar scheinen, auch wenn es viel arbeit braucht.
Die Wahrnehmung der Schwierigkeit
Die Beziehung zwischen objektiver und wahrgenommener Schwierigkeit verläuft exponentiell. Die Sensibilität zur Schwierigkeit nimmt bei zunehmender Schwierigkeit zu. Es gibt grosse interindividuelle unterschiede der Wahrnehmung der objektive Erschwerung. Was für einige Leute eine leichte Erschwerung scheint, kann für andere als eine Grössere wahrgenommen werden. Diese persönliche Unterschiede können erklärt werden dadurch dass:
- Leute mit Fachkenntnisse und mehr Erfahrung einen langsameren Anstieg der empfundenen Schwierigkeit haben.
- in der Adoleszent die Jungen eine tiefere Wahrnehmung der Kräfte-Erschöpfung haben als die Mädchen.
Talent im vergleich zur Bemühung
Der Schüler muss der Überzeugung sein, dass die Faktoren, die zum Erfolg bringen, von ihm kontrolliert werden können. Die Kindern die glauben, dass das Lösen der Aufgabe eine Frage der Bemühung ist, bestreben das Ziel mehr als die, die denken, dass es Talent Sache ist. Sie zeigen mehr Interesse für de Aufgabe, bessere Leistungen, positivere Reaktionen zum Erfolg und ein stärkeres Gefühl der Kompetenz. Sie müssen überzeugt sein, dass die Faktoren den Erfolg zu beeinflussen, in der eigenen Macht steht und nicht „einfach im Blut“.
Also: Die subjektive Einschätzung der Höhe und der Art der Aufgabenschwierigkeit erzeugt eine wichtige Vermittlung zu den Emotionen, Motivation und die Bemühungen der Schüler.
- sie müssen genug gefordert werden um sie sich zu bemühen und Fortschritte machen.
- jeder Schüler hat eine eigene Sensibilität zur Schwierigkeit, die bestimmen wie er/sie die Erschwerungen und Niveaus der gestellten Aufgabe wahrnimmt.
- dabei gibt es grosse inter-individuelle unterschiede wie zum Beispiel zwischen Mädchen-Knaben. Nicht zu vergessen auch unterschiede, die bestehen können, zwischen der Schwierigkeit Einschätzung der Lehrer und deren der Schüler.
Schlüsselpunkte:
- wahrgenommene Schwierigkeit ist mehr eine Einschätzung der Zielschwierigkeit als der Einschätzung der Aufgabenschwierigkeit.
- Je schwieriger das Ziel desto höher die Leistung
- Ziele müssen schwierig aber realistisch sein
- unrealistische Ziele führen nicht unbedingt zu schlechte Leistungen
- die Empfindlichkeit der Schwierigkeit nimmt zu, wenn die objektive Schwierigkeit zunimmt
- jede Person scheint von einer eigene Empfindlichkeit der Schwierigkeit charakterisiert zu sein
- die Empfindlichkeit der Schwierigkeit scheint von individuellen unterschiede wie Persönlichkeit und Erfahrung abzuhängen.
- Geschlechtsunterschiede beeinflussen diese Empfindlichkeit
- es gibt spezifische Skalas, die eine praktische Einschätzung der wahrgenommenen Schwierigkeit erlauben (wie z.b die Borg Skala)
- die Vorstellung der angeforderten Ressourcen hat eine grosse Beeinflussung zum Lernen und zur Leistung
- Lehrer müssen für positives und motiviertes Klima sorgen.
Kapitel 12
In diesem Kapitel geht es um das Erlernen sozialer Kontakte und um das emotionale Verhalten durch Ausbildung der körperlichen Aktivität in einer Gruppe.
Gemeinsames Planen und Durchführen von Aktivitäten ermöglichen den Teilnehmern das Übernehmen anderer Perspektiven, die Entwicklung eines grösseren Einfühlvermögens sowie das Kontrollieren von Aggressionen.
Vier Themen bezüglich körperlicher Ausbildung zur sozialen Entwicklung werden in diesem Kapitel besonders erwähnt:
- Soziale Entwicklung
- Empathie= Einfühlungsvermögen
- Altruismus =Uneigennützigkeit
- Aggression
Soziale Entwicklung
Angemessene und harmonisierende Interaktionen zwischen zwei Personen sind nur möglich, wenn die Personen jeweils wissen was ihr (Gesprächs)Partner denkt und fühlt und wenn man jeweils annehmen kann, wie der Andere gerne behandelt wird. Diese Fähigkeiten haben Leute nicht von Geburt an, sie entwickelt sich langsam über die Jahre. Solidarität muss also gelernt werden.
Entwicklung der Personenwahrnehmung
Barenboim unterscheidet drei Phasen in der Entwicklung von Kindern bezüglich ihrer Beschreibung von anderen Personen:
- Behavioural comparison Phase, 6-8 Jahre: Beschreiben und vergleichen Personen nach ihrem Verhalten
- Psychological constructs Phase, 8-10 Jahre: Kinder beginnen Gleichmässigkeiten im Benehmen ihrer Kameraden und persönliche Züge zu erkennen.
- Psychological comparison Phase, 10-12 Jahre: Vergleichen Personen stark miteinander.
- Adolescents: Können die verschiedenen Reaktionen auf Grund verschiedener Umstände nachvollziehen.
Die Entwicklung soll zeigen, dass die Sozial- und Wahrnehmungsentwicklung stark zusammenhängen.
Die Entwicklung der sozialen kognitiven Fähigkeiten kann man aus theoretischer Sicht folgendermassen interpretieren:
- Menschen sind aktive Informationsverarbeitungsgeräte, die versuchen, ein zusammenhängendes Bild der Welt zu schaffen und versuchen dabei die Umwelt zu kontrollieren.
- Erklärung für das Benehmen der Menschen:
- Charaktereigenschaften
- Umwelt oder Situation der Person
ABER: Bevor Kinder fähig sind die eigenen Eigenschaften zu nutzen, müssen sie herausfinden, dass Mensche für ihre Aktionen selber verantwortlich sind oder selber verursachen können.
- 3-jährige Kinder sind sich bewusst, dass Personen inklusive sich selbst Ereignisse verursachen können ( sie wissen noch nicht/ können noch nicht unterscheiden von absichtlichem und unabsichtlichem Verhalten).
- Kinder im Vorschulalter realisieren, dass eine Person mit viel Mühe ein gewisses Ziel erreichen kann. Sie glauben/ahnen, dass die meisten sozialen Ereignisse bewusst ausgeübt werden.
- 5-7 jährige Kinder können noch nicht zwischen einem absichtlichem und einem unabsichtlichem Handeln unterscheiden.
- Schulkinder können diesen Unterschied besser einschätzen. Ältere Kinder weisen ein grösseres Können auf bezüglich der Ehrlichkeit der Absicht der anderen Personen. Sie sehen/ bemerken, wenn die verbale Kommunikation sich mit dem nonverbalen widerspricht.
Zusammengefasst: Das Verständnis der Kinder bezüglich dem Verhalten ihrer Kollegen, entwickelt sich in Phasen. Parallel dazu die kognitive Entwicklung und das Eigenschaftsschema. Junge Primarschüler beschreiben andere Personen in konkreten Verhaltensschemen und unterscheiden noch nicht zwischen absichtlichem und unabsichtlichem Handeln. Mitte Primarschule wird den Kindern die Regularität des Verhaltens der anderen bewusst. In der Adoleszenz werden die Eindrücke abstrakter und komplexer. Sie besitzen gewisse psychologische Denkweisen mit welchen sie ihre Freunde einstufen.
Einfühlungsvermögen
Die Entwicklung der Fähigkeit der sozialen Wahrnehmung steht auch im Zusammenhang mit dem Wachstum der Fähigkeit der Rollenübernahme. Ob man sich selber und andere während einer Handlung verstehen kann, hängt stark davon ab, ob diejenige Person die Fähigkeit hat zwischen der eigenen Perspektive und derjenigen des Partners unterscheiden kann und die verschiedenen Ansichten verstehen kann.
Somit wird die Rollenübernahme folgendermassen definiert: Die Fähigkeit, die Gedanken, Gefühle, Motive und Absichten einer Person zu verstehen und dessen Perspektiven anzunehmen.
Phasen der sozialen Rollenübernahme: Selman untersuchte die Entwicklung der sozialen Rollenübernahme bei Kinder und Heranwachsenden. Er unterscheidet vier Phasen:
- Vorschulalter, 3-6 Jahre: Sehen nur die eigene Perspektive, sie sind egozentrisch.
- Primarschule, 6-8 Jahre: Wissen, dass andere auch andere Perspektiven haben. Sie denken, dass das so ist, weil diese auch andere Informationen haben.
- Primarschule, 8-10 Jahre: Reflektierte Rollenübernahme. Sind fähig, „sich in die Schuhe einer anderen Person zu setzen“. Empathie ist in dieser Phase nun vorhanden. Trotzdem fällt es ihnen noch schwer, bei Konflikten die eigene Perspektive und die des Partners zu unterscheiden.
- 10-12 Jahre: Gegenseitige Rollenübernahme ist möglich. Die eigene Ansicht wird mit der der Allgemeinheit verglichen.
Es wird davon ausgegangen, dass die Fähigkeit, andere Perspektiven, Gefühle, Motive und das Benehmen anzunehmen, langsam während der Schulzeit wächst (4 Phasen von Selman).
Die Wissenschaft zeigt aber nicht auf, dass nicht auch schon kleinere Kinder eine gewisse Empathie aufzeigen. Sie sind nämlich in der Lage die Emotionen anderer Leute zu erfahren. Wenn Babies andere Kinder schreien hören, beginnen sie selber an zu weinen oder sie verspüren eine eigene „Sorge“, wenn sie diese bei anderen beobachten.
Trotz allem deutet dies natürlich nicht darauf hin, dass sie andere Personen total verstehen können und man spricht bei dieser frühen Form von Empathie immer noch von Egozentrikern.
Im Laufe der Schulzeit wird den Kindern die Vielfalt der verschiedenen Gefühle anderer Personen bewusst und sie beginnen in nicht egozentrischer Weise zu handeln.
Heranwachsende können nicht nur die Gefühle anderer verstehen, sondern sich auch in andere schlechtere Lebensumstände versetzen.
Altruismus = Uneigennützigkeit
Definition: Die willentliche Verfolgung der Interessen oder des Wohl anderer. Altruistisches Handeln wird allgemein auch mit selbstlosem Handeln gleichgesetzt.
Kinder erwerben dieses soziale Verhalten. Altruismus zahlt sich aus!!
Für die Verbesserung des altruistischen Benehmens in der Primarschule gibt es 3 Faktoren:
- Diese Kinder entwickeln ihre soziale und emotionale Rolleneinnahmefähigkeit → Empathie
- Ihr können der pro-soziale moralischen Vernunft auf höheren Stufen steigt an.
- Das Selbstkonzept als ein altruistisches Individuum stellt sich heraus.
- → Diese Form von Empathie ist die Wurzel des pro-sozialen Verhaltens das unter dem Einfluss der Verbesserung der „Rolleneinnahme “ beginnt.
Die Kinder haben gelernt, diese Personen zu fokussieren die Hilfe brauchen anstatt auf ihren eigenen Kummer zu achten. Emphatische Reaktion. Das Kind fühlt sich verantwortlich, dem leidtragenden Kind zu helfen (moralischer Wert).
- → Ein Kind ist zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Auf dem Weg dorthin findet es ein anderes Kind das hingefallen ist und Hilfe braucht. Wenn das Kind nun anhält um zu helfen, würde es den Kuchen verpassen, was nun?
Kinder im Vorschulalter sind eher selbstorientiert als dass sie die Moral in Bertacht ziehen.
- → Ein Kind das als freundlich und hilfsbereit angeschaut wird, wenn es positives soziales Verhalten aufweist, internalisiert diese Aspekte in seinem Selbstkonzept.
Selbstkonzepttraining kann eineffektiver Weg sein um den Kindern ein pro-soziales Verhalten zu lernen. Wenn Eltern und Lehrer die Kinder zu altruistischem Benehmen erziehen wollen, müssen sie es ihnen selbst vorleben. Untersuchungen haben gezeigt, dass verbale Appelle wenig bis kein Erfolg zeigen.
Aggression
Es wird zwischen zwei Arten der Aggression unterschieden:
- Feindselige Aggression: Beinhaltet aggressive Handlungen mit dem Ziel dem Opfer zu schade, es zu verletzen.
- Instrumentale Aggression: Beinhaltet aggressive Handlungen mit dem Ziel Zugang zu Objekten, Gebieten oder Privilegien zu gelangen.
Die Unterscheidung zwischen diesen zwei Arten der Aggression fällt jedoch oft sehr schwer. Beide Arten haben oft schwere Konsequenzen für das Opfer wie auch den Täter. Wenn man zum Beispiel an Zwischenfälle im Sport denkt, können solche körperlichen Kontakte/ Attacken zu Verletzungen führen, ob es nun aus Feindseligkeit oder reinem Nutzen passiert ist, ist in den meisten Fällen schwer zu bestimmen. Der Effekt ist meistens der Gleiche: Die Verletzung für das Opfer, die Strafe für den Täter.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Aggressionen als soziale Entscheidungen gelten, welche von einer Vielzahl von verschiedenen Faktoren abhängen. Zum Beispiel: Wenn Jungs während einem härteren Spiel miteinander kämpfen und sich halten und zerren, wird dies nicht als eine aggressive Handlung, sondern als ein Zeichen der Zuneigung beurteilt. Tun Mädchen dasselbe, werden sie als aggressiv abgestempelt…..!!!
Erklärung zur Aggression:
Psychologen haben fortgeschrittene Theorien bezüglich der Ursachen von aggressivem Verhalten. Aggression kann angeboren sein (höchst selten), die man dann aber durch Sport und anderen Übungen in ein sozial akzeptables Verhalten lenken kann. Ist die Aggression nicht angeboren, wird sie „gelernt“:
- → Frustrations-Aggression I: Aggression als Folge einer Frustration
- → Frustration_Aggression II: Die Frustration lässt die Wahrscheinlichkeit zu aggressivem Verhalten wachsen.
- → Aggressions-Lernen: Aggressives Verhalten wird durch Beobachtungen(zu Hause, Eltern) gelernt und und wird schlussendlich zur Gewohnheit.
Entwicklung der Aggression:
Schon im 1. Lebensjahr können Kleinkinder sehr grob miteinander umgehen, wenn es z.B. darum geht ein Spielzeug zu besitzen. Streit dieser Art findet häufig unter 2-jährigen statt. Dank ihren schon vorhandenen verbalen Kompetenzen, ist es einfacher mit ihnen ein Konflikt auszuhandeln als mit 1-jährigen. Friedliche Lösungen sind daher möglich. Folgende Veränderungen in Bezug auf das aggressive Verhalten wurden bei vorschulaltrigen Kindern festgestellt:
- Wutanfälle nehmen während der Vorschulperiode ab und finden selten statt nach dem 4. Lebensjahr.
- Nachdem 3. Lebensjahr nimmt die Zahl der Kinder, welche zu Frustration/ aggressivem Verhalten tendieren, drastisch zu.
- Frustration führt zur Aggression, schon bei 2-3-jährigen.
- Die Form der Aggression ändert sich. 2-3-Jährige schlage und kicken. Ihre Aggression ist primär instrumental (nützlich) und dient dem Besitz von Spielsachen. Ältere Vorschulkinder und junge Primarschüler zeigen mehr psychische und verbale Aggression. Diese Aggression hat einen sehr feindseligen Charakter.
- Die Häufigkeit von aggressivem Verhalten vermindert sich zwischen 2-5 Jahren. Dieser Rückgang könnte das Resultat der Erziehung von Eltern und Kindergärtnern/ Lehrern sein, Konflikte friedlich zu lösen
Wie erwähnt erfährt die Aggression im ersten Jahr der Primarschule einen Rückgang. Trotzdem fördern Provokationen auch dann noch aggressives Rückverhalten. Dies ist wahrscheinlich der Fall, weil Kinder in diesem Alter auf die Motive und Absicht der anderen schließen können. Jungs schlagen dann eher zu als Mädchen.
Zwischen 10-18 Jahren: Kämpfe und feindselige Aggressionen steigen bis 13/15 Jahre an, nehmen dann aber ihren Rückgang in Angriff. Wie auch immer, wenn ältere Kinder sich aggressiv benehmen, ist dies mit deutlich mehr Gewalt und Brutalität verbunden. Normalerweise nimmt die Aggression in diesem Alter aber ab, bei anderen Typen, welche wenig soziale Kontakte haben und kriminelle Aktivitäten ausüben, nimmt die Aggressivität zu.
Differenzen zwischen den verschiedenen Individuen: Normalerweise sind Jungen aggressiver als Mädchen. Dies hat soziale und biologische Faktoren zur Ursache. Hormonelle Unterschiede spielen eine entscheidende Rolle, aber auch die sozialen Einflüsse sind sehr wichtig. Eltern gehen von Natur aus anders mit der Tochter als mit dem Sohn um. Durch das was sie sagen und tun, erziehen die Eltern ihre Kinder zu einem geschlechtsspezifischen Benehmen. Wie man weiss, sind nicht alle Kinder gleich aggressiv. Manche Kulturen, Subkulturen und Familien haben aggressivere Nachkömmlinge als andere Gemeinschaften. In der Tat verhält sich die Minderheit der Kinder asozial und aggressiv. Die hauptsächlichen Wurzeln der Aggressivität und Gewalt können in der Eltern-Kind- Erziehung gefunden werden. Eltern die ihre Kinder nicht lieben, sich nicht darum kümmern, wie sie sich in Gruppen benehmen,etc., fördern das aggressive Verhalten.
Den Kindern helfen, ihre Aggression zu kontrollieren: Aggressive Kinder haben oft auch eine aggressive Vergangenheit in der Familie hinter sich. Sie Haben gelernt, dass man seine Ziele durch Gewalt erreichen muss.
Lehrer können helfen dies zu ändern, 4 Methoden:
- Vorgehensweise zur Eliminierung der „sich nicht auszahlenden“ Aggression.
- Strategien modellieren
- anti-aggressive Umwelt schaffen (spielend)
- Mit Kindern das Einfühlungsvermögen für Opfer von Gewalt trainieren.
Wenn das aggressive Verhalten eines Kindes für andere gefährlich wird, hat sich folgende Technik bewährt: Time-out-Technik! Das Kind wird isoliert, sei dies an der hinteren Wand des Klassenzimmers oder in einem separaten Raum. Durch die Nichtbeachtung wird die Aggression auch nicht noch verstärkt und zugleich kann dieses Kind kein antisoziales Vorbild/Modell für die anderen darstellen. Die Effektivität dieser Methode wächst in Kombination mit der Verstärkung von pro-sozialem Benehmen.
Kinder können das friedliche lösen von frustrierenden Situationen an Hand von positiven Beispielen lernen, wenn man ihnen beibringt, ihre Impulse unter Kontrolle zu halten. Die Bemühungen der Lehrer sind leider nicht immer erfolgreich. Vor allem dann nicht, wenn das aggressive Verhalten eines Kindes zu hause oder in Gruppen bestätigt wird.
Das Umfeld ist ein entscheidender Faktor betreffend der Entwicklung des aggressiven und feindseligen Verhalten eines Kindes. Nicht aber nur das soziale, sondern auch das materielle Umfeld fördert oder reduziert Aggressionen. Manche spielerischen Aktivitäten brauchen viel Platz oder eine spezielle Ausrüstung. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder in schmalen, engen Spielräumen oft viel mehr interpersonelle Konflikte miteinander haben durch körperliches „Anhauen“. Auch die Art der Spielzeuge spielt eine Rolle. Spielzeuge die nur in Verbindung mit aggressivem Verhalten gebraucht werden können (Waffen)provozieren die Aggression nur so.
Eine andere Art Eingriff zur Reduktion der Gewalt ist ein Einfühlungsvermögenstraining. Dies hat positive Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder gezeigt. Denn oft realisieren Kinder gar nicht, welchen Schmerz sie ihren Opfern eigentlich zufügen. Diese Kinder müssen lernen, sich in die Lage anderer zu versetzen.
Schlüsselpunkte
- Die Entwicklung von der Wahrnehmungsfähigkeit von Mensche verläuft parallel zu der Entwicklung der kognitiven Fähigkeit.
- Vorschulalterkinder beginnen absichtliche und unabsichtliche soziale Handlungen zu unterscheiden.
- Kinder entwickeln sich über 4 Stufen zur sozialen Perspektivenübernahme, von der egozentrischen Phase bis hin zum Übernehmen der allgemeinen Perspektivenansicht.
- Kinder lernen, dass sich Uneigennützigkeit auszahlt (Altruismus)
- Eltern spornen ihre Kinder durch das entsprechende Verhalten zur Empathie an
- In der Primarschule werden Kinder hilfsbereiter und großzügiger, nicht aber bei allen Umständen.
- Die Entwicklung von der Rollenübernahmefähigkeit, vom pro-sozialen moralischen Denkvermögen und des Altruismus rufen die Uneigennützigkeit bei Kindern in der Primarschule hervor.
- Liebevolle und vorbildliche Erzieher rufen das nicht aggressive Verhalten bei Kindern hervor.
- Drei Typen der Aggression: absichtliche, feindselige Aggression, instrumentale (nützliche) Aggression, Durchsetzvermögen/Bestimmtheit.
- Aggression ist auch eine Frage der Interpretation.
- Aggression ist nicht angeboren, es wird gelernt.
- Jungen sind aggressiver als Mädchen.
- Die Eliminierung des „Lohnenden“ des aggressiven Verhaltens führt zur Eliminierung dieser Aggression
- Nicht aggressive Eltern, Lehrer und Trainer zeigen wie man mit frustrierenden und stressvollen Situationen umzugehen hat.
- Die Schaffung Einer friedlichen Umwelt hilft Aggression zu eliminieren.
- Einfühlungsvermögenstraining ist auch effektiv zur Verminderung der Aggression
Zusammenfassung Kapitel 14
Seiten 343 – 374
Pädagogische Psychologie (Psychologie for Physical Educators, Y. Vanden Auweele)
Teacher-Student Interaction and Interaction Patterns in Student Groups
Lehrer-Schüler Interaktion und Interaktionsstrukturen in Schülergruppen Interaction: Beeinflussung / Wechselbeziehung / Zusammenspiel
Soziale Interaktionen werden in diesem Kapitel behandelt:
- was sind soziale Interaktionen
- welche Strukturen können unterschieden werden
- welche Kommunikations-Kanäle spielen eine Rolle im Sportunterricht
- wie können Interaktionen das Lernen der Schüler beeinflussen (Pygmalion-Effekt)
- wie können sie soziale Interaktionen beobachten oder wahrnehmen
Was sind soziale Interaktionen? (p.344)
- Soziale Interaktionen beschreiben das Verhalten und die Einfluss nehmenden Prozesse innerhalb einer Gruppe. - Im weiteren Sinn: Alle Einfluss nehmenden Prozesse zwischen Personen, die in einer gegebenen Situation agieren. - Indirekte Interaktion: Das Publikum hat einen Einfluss auf das Verhalten der Spieler und umgekehrt. - Im engeren Sinn: Das Geschehen direkt beeinflussen. Eine häufige soziale Interaktion im Sportunterricht ist die Kommunikation: Jedes Gruppenmitglied hat die Möglichkeit mit jedem anderen Gruppenmitglied zu kommunizieren. In der Praxis geschieht dies nicht gleichzeitig. Es bilden sich Untergruppen. Meist wird nur die Lehrperson zur ganzen Klasse sprechen. - Soziale Interaktion ist die gegenseitige Einflussnahme von mindestens zwei Interaktionspartnern. - Es wird zwischen symmetrischer und asymmetrischer Beeinflussung unterschieden. Im Falle der symmetrischen Interaktion sind beide Partner voneinander abhängig und beeinflussen einander in etwa gleich stark. Eine asymmetrische Interaktion bezeichnet eine unausgeglichene Beziehung. Im Sportunterricht hat die Lehrperson mehr Einfluss auf die Schüler als umgekehrt. Trotzdem kann das Interaktionsmuster ausgeglichen sein.
- Nach Johns und Gerard (1967) können soziale Einflüsse unbewusst greifen. D.h. Akteure sind sich nicht bewusst, dass die blosse Anwesenheit anderer hemmend oder unterstützend wirken. - Koaktive (zusammenwirkende) Gruppen im Vergleich mit interaktiven Gruppen beeinflussen einander auf eine weniger offensichtliche Art. Beispiele: Ein Ruderteam ist koaktiv. Bei einem individuellen Aufwärmen beeinflussen sich die Teilnehmenden bloss durch ihre Anwesenheit, nicht durch ihre direkte Kommunikation. Bei einem gemeinsamen Spiel ist die gegenseitige Beeinflussung beabsichtigt. Ein passiver Zuschauer ist ebenfalls koaktiv. Doch die blosse Anwesenheit von Zuschauern kann das Verhalten der Spieler beeinflussen. - gegenseitige Interaktion ist charakterisiert durch symmetrisch beeinflusste Prozesse zwischen beiden Partnern und einem aktivem Mitwirken. Die Spieler eines Basketballteams agieren und reagieren gegenseitig, aber auch auf die Gegenspieler.
Es wird unterschieden zwischen: Coaction, Asymmetric interaction, reactive interaction, mutual interaction.
(siehe Grafik 14.1 p.346) - Coation: Keine direkte Interaktion. Zusammenwirken im selben Raum an derselben oder an unterschiedlicher Tätigkeit. Z.B. nebeneinander etwas Spielen, Velo fahren, herum rennen… - Asymmetric interaction: Die Lehrperson gibt Anweisungen oder zeigt vor. (Autoritär) Bsp. Ein dominanter Spieler. - Reactive Interaktion: z. B. Tischtennis, Boxen oder wenn Kinder kämpfen - Mutual Interaktion: annähernd ausgeglichene Einflussnahme beider Partner. Sie beeinflussen sich gleichermassen, zur selben Zeit, beide verfolgen ihren Plan. Typische Interaktion unter Schülern im Sportunterricht. Oder im Fussball
Verbal, Non-Verbal, and Environmental Communication
(p.347) Kommunikation: Ein Sender überbringt eine Nachricht einem Empfänger und umgekehrt (wie in reaktiver oder in mutual Interaktion). Der Sender kodiert die Nachricht, welche der Empfänger dekodieren muss. Der Empfänger reagiert entsprechend auf die verstandene Nachricht. Z.B. Er antwortet, ist alarmiert, wird wütend…
3 Dimensionen der Kommunikation in Gruppen / Teams / Klassen: Die meisten Mitteilungen können diesen Dimensionen zugeordnet werden: - Dominanz: Hierarchische Beziehung: z.B. Lehrer – Schüler Interaktion, charakterisiert durch eine asymmetrische Interaktion, wenn Lehrer Schüler für dessen Fehlverhalten rügt und dieser nichts erwidern darf. Eine Hierarchie gibt es auch in einer Sportklasse: Höheres Ansehen, mehr Respekt und Anerkennung erhalten die Begabten. - Affilitation (Zugehörigkeit, Mitgliedschaft, Verbindung): z.B. Freundschaftliche Strukturen zwischen Gleichaltrigen, charakterisiert durch Koaktion (nicht Affiliation / Verschmelzung) und verschiedenartige Interaktionen. Der Sportunterricht ist gut geeignet um Verbindungen zu unterstützen, weil vieles in Gruppen gemacht wird. - Involvement (Mitwirkung, Beteiligung): z.B. Das Interesse des Lehrers am Fortschritt der Schüler. Typisch sind dabei Instruktionen des Lehrers.
Im Sportunterricht sind die nonverbalen und die umweltbedingten Kanäle wichtiger als in anderen Fächern. Nur schon dadurch, dass der Unterricht nicht im Klassenzimmer mit fest zugeteilten Plätzen statt findet ist ein Indiz dafür. 50 bis 70 % der Kommunikation sind nonverbal. Z.B. stehen Freunde nahe beieinander und wollen nicht getrennt werden. Der räumliche Abstand zwischen den Schülern zeigt dem Lehrer etwas über ihre soziale Beziehung. Je näher Schüler beieinander stehen umso mehr mögen sie sich. Wird ein Gruppenmitglied ignoriert, zeigt dies eine negative Beziehung. Körperkontakt, beispielsweise das Führen des Arms eines Schülers bei der Rückhand gehört auch zu den nonverbalen Interaktionen. Die materielle Umwelt wird auch genützt um Botschaften zu senden. Z.B. wird die Tasche auf den Platz nebenan gestellt um zu signalisieren „Dring nicht in mein Territorium ein!“ Im Sport haben gegnerische Teams ihre eigenen Umziehkabinen und Spielerbänke. Auch die Kleidung zeigt an zu welchem Team jemand gehört. Während des Wettkampfs versuchen die Teammitglieder ihre Gruppenmoral zu erhöhen durch nahe kommen, Hände abklatschen, Umarmungen und gleichzeitig Abstand zum Gegner halten. Räumliches Verhalten ist eine Kommunikationsform in Gruppen. Es gibt Ausdruck über Gruppenbildung, Aufrechterhaltung, Gewichtung der Zusammengehörigkeit und Gruppenidentität. Im Sportunterricht geben die herumstehenden Untergruppen Auskunft über ihre Beziehungen. Der Raum kann also Mittel aber auch Regulierer von Sozialverhalten sein. Nähe ist ein Regulierer für Vertrautheit, so hat die Sitzordnung in Klassen grossen Einfluss. Nonverbale Signale passieren oft unbewusst. Sie sind auch schwieriger zu dekodieren als verbale Signale. Nonverbale Signale reflektieren zwei Dimensionen: a) dominance - submissiveness (Dominanz-Unterwürfigkeit) b) positive – negative attraction (Reiz). Die Intensität der Signale variiert je nach emotionaler Beteiligung, wobei der kulturelle Einfluss zu berücksichtigen ist. Z.B. sind in Japan weniger emotionale Regungen erlaubt als in Europa oder den USA. Ebenfalls ist die Rolle der Interaktionspartner tragend bei der Interpretation von Nonverbaler Kommunikation. Z.B. Ein Stirnrunzeln des Lehrers zeigt Unzufriedenheit und ein Stirnrunzeln des Schülers zeigt, dass er etwas nicht versteht.
Die 6 wichtigsten Nonverbalen Signale:
(p.352) - physical appearance (äusseres Erscheinungsbild): Figur, Kleidung, Frisur, Schmuck geben Informationen über den Gesprächspartner. Kleider unterstreichen die Gruppenzugehörigkeit, aber auch Individualität. Im Sportunterricht kann beispielsweise das Ablegen des Schmucks zum Problem werden, weil die für Schüler Symbole ihrer Identität sind. Auch die Gangart gibt Auskunft über eine Person. - gestures (Gestik) drücken Emotionen aus, zwischenmenschliche Beziehung, Hierarchie, Einstellung, z.B. Arme verschränken Im Sport gibt es auch klare Zeichen, die Schiedsrichterentscheide anzeigen. z.B. Ball war im Aus - facial expression (Mimik): Blickkontakt ist sehr wichtig. Die vielen Gesichtsaudrücke geben Auskunft über Emotionen. Auch hier gibt es kulturelle und individuelle Unterschiede. - touching (Berührungen) sind eine Form von positiven Gefühlen gegenüber anderen oder dienen der Beruhigung. Berührungen sind auch hierarchisch organisiert. So berühren Lehrer jüngere Schüler öfter als ältere. Gleichgeschlechtliche berühren einander öfters als solche des anderen Geschlechts. Im Sportunterricht sind Berührungen öfters gefragt um das Lernen eines Bewegungsablaufes zu unterstützten. - posture (Haltung) gibt Auskunft über emotionale Lage und Dominanz bzw. Unterwürfigkeit. - voice characteristics (Stimmlage) Tonlage, Tempo und Lautstärke machen eine Aussage überzeugend oder widersprechen dieser. Die Stimme verrät auch Emotionen. Nonverbale Kommunikation machen eine verbale Aussage mehr oder weniger wahr.
Effekte von Lehrererwartungen
(p.356) Soziale Interaktion ist ein Begriff für den Prozess der Beeinflussung anderer. Kommunikation beschreibt wie die Beeinflussung funktioniert. Der Pygmalion – Effekt zeigt dass die Lehrererwartungen gegenüber den Schülern offensichtlich den Fortschritt beeinflussen, wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Dabei sind die verbale und die nonverbale Kommunikation Ausschlag gebend. Schüler machen entsprechend der Lehrer-Leistung Fortschritte, weil diese ihre Erwartungen so kommunizierten.
Welche Verhalten zeigen Lehrer um ihre Erwartungen zu kommunizieren? (p.397) 4 Faktoren: - sozio-emotionale Klima ist wärmer für spezielle Schüler. Es entsteht z.B. durch ein Lächeln, freundlich sein oder mehr Beachtung schenken, öfters Augenkontakt, Zunicken… - Die Lehrperson gibt diesen Schülern differenziertere Feedbacks. Sie erhalten mehr Informationen über ihre Leistung und mehr Hinweise zur Verbesserung dieser, werden öfters gelobt, positive bestärkt. - Input: Lehrer vermitteln diesen insgesamt mehr und schwierigere Aufgaben, erhalten mehr Instruktionen, mehr Aufmerksamkeit. Diese machen somit auch mehr Fortschritte. - Output: speziell geforderte Schüler erhalten mehr Chancen zu reagieren, mehr Zeit um zu reagieren und mehr Chancen um an ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu arbeiten. Ihnen ist es erlaubt Fragen zu stellen und Versuche zu wiederholen. (siehe Tabelle 14.1 p.358)
Wie entwickeln Lehrer ihre Erwartungen?
(p.358) Welche Hinweise sind relevant? Oft geschieht dies nach stereotyper Kategorisierung: Geschlecht, Rasse, Körperbau. Folglich sind Mädchen schwächer in ihren Leistungen als Jungen und auch weniger aktiv. Das Selbstbild betreffend der körperlichen Attraktivität spielt eine wichtige Rolle für das Sozialverhalten. Solchen die sich selbst als attraktiv wahrnehmen, fällt es leichter soziale Kontakte zu knüpfen. So werden dicke Schüler als faul, langsam und unsportlich eingeschätzt. Schlanken werden automatisch mehr Fähigkeiten zugetraut. Schüler internalisieren die Erwartungen und verhalten sich entsprechend. Schüler die spüren dass die Lehrperson ihnen wenig zutraut, werden eine schwächeres Selbstbild entwickeln und trauen sich weniger zu als solche die gelernt haben erfolgreich zu sein.
Messen Sozialer Interaktionen (p.361) 3 Techniken - rating procedures (Beurteilungsverfahren) mittels Ratingskala. Z.B. Wie viel Hilfe leistete die Lehrperson bei den Mädchen/Jungen während der Lektion? Wie oft lobte die Lehrperson? Aus diesen werden grobe Abschätzungen / Beurteilungen hervorgehoben. Z.B. das Unterrichtsklima oder die Unterrichtsqualität. - questionnaires (Befragungen): Die Antworten fallen in einer fünf-Punkte-Skala aus. 1= sehr oft, 5 = nie - Behaviour observation system (Verhaltensbeobachtungen): Aufzeichnung der aktuellen Aktivitäten. Sie sind konkreter als eine Ratingskala, aber auch schwieriger in der Durchführung. Typisch sind die closed-systems: vorgegebene Kategorien, die sich gegenseitig ausschliessen, im Voraus festgelegt Open system: die Kategorien werden im Nachhinein bestimmt; der Beobachter hat also grösseren Einfluss auf die Ergebnisse als beim closed system
Assessing Social Interaction in Sport Settings
(p.363) Das Coaching Verhaltensbeurteilung System (Table 14.2) zeigt eine Möglichkeit auf, um das Lehrerverhalten im Jugendsport zu beobachten. Das System beinhaltet 12 Kategorien verbaler Verhaltensweisen von Coaches oder Lehrern. I. Reactive Behaviours (Reaktionen auf Studentenverhalten)
A. erwünschtes Verhalten 1) positive Bestärkung 2) keine Bestärkung B. Fehler 3) fehlerbedingte Ermutigung 4) fehlerbedingte technische Anweisung 5) Bestrafung 6) strafende fehlerbedingte technische Anweisung 7) Fehler ignorieren C. Ungezogenheit 8) die Kontrolle behalten
II. Spontaneous Behaviours A.spielbezogen 9) allgemeine technische Instruktionen 10) allgemeine Ermutigung 11) Organisation
B. spiel – irrelevant 12) allgemeine Kommunikation
Smoll und Smith fassen ihre Resultate über die Effekte des Lehrer- und Trainerverhaltens auf den Lernprozess der Schüler, ihre Gesundheit und den Spass am Sport zusammen:
- Schüler / Spieler schätzen Trainer, die oft positive Bestärkungen und kompetente technische Instruktionen geben, sowie solche die einen nach einem Fehler ermutigen.
- Dadurch zeigten die Spieler mehr Freude am Sport und eine höhere Motivation
- Schüler wollen einen Lehrer, der ihre Sicht versteht und sportliche Fertigkeiten effizient vermitteln kann.
Rosenshine and Stevens fassen ihre Untersuchungen über den wirksamsten Lehrstil folgendermassen zusammen: Die Hauptbestandteile des systematischen Unterrichtens beinhalten:
- das Unterrichten in kleinen Schritten, wobei die Schüler nach jedem Schritt Gelegenheit zum Üben haben
- die Schüler während des anfänglichen Übens führen
- den Schülern ein hohes Mass an erfolgreichem Üben gewährleisten
Soziale Interaktion in Studentengruppen
(p.365)
- Der Sportunterricht ist ein natürliches Biotop für soziale Interaktionsprozesse.
- Das Beobachten sozialer Interaktionsprozesse wird dadurch erschwert, dass die Aufnahmefähigkeit des Lehrers begrenzt ist
- Befragungen und systematische Beobachtungen der Schüler können deswegen hilfreich sein
- In einer Studie von Bierhoff – Alfermann, 1986 wurden 79 koedukativen Klassen während des Sportunterrichts beobachtet. (Primarschule bis 10.Schuljahr)
Ziel: die Qualität der sozialen Interaktion, sowie die soziale Integration von Mädchen und Jungen festzustellen.
Soziale Integration: Feststellen der Anzahl gemischter (Jungen und Mädchen) Gruppen, die während der Lektion in einer Übungsstunde unabhängig gebildet wurden. Sitzanordnung von Mädchen und Jungen wenn sich die Schüler um den Lehrer versammeln müssen.
Resultat: soziale Trennung zwischen Mädchen und Jungen auf jeder Altersstufe.
Berühren: Beobachten von gemischten Gruppen wenn sie nebeneinander sitzen oder stehen.
Resultat: höhere Berührungsrate zwischen den gleichen Geschlechtern als zwischen Mädchen und Jungen.
Anzahl von Ballberührungen und Pässen in verschiedenen Ballsportarten:
Resultat: Begabte Schüler waren viel besser ins Spiel integriert und erhielten den Ball öfter als unbegabte Schüler. Vorallem Jungen neigen dazu den Ball oft einem Freund im Team zu passen als jemand anderem.
Das Managen von sozialer Interaktion
(p. 368)
- Der Lehrer sollte klare Instruktionen geben, seine Lektionen gut planen und eine unterstützende und ermutigende Haltung einnehmen.
- Lektionsaufbau: Die Lektion mit einem kurzen Rück- und Ausblick beginnen. Klare Instruktionen geben. Hohe Bewegungszeit für alle Schüler ermöglichen. Feedback und positive Korrekturen geben.
- Die Studenten sollen lernen mit Erfolg und Niederlagen so umzugehen das beides im Endeffekt positiv gesehen werden kann.
- Schülerverhalten ist eine mehr oder weniger direkte Konsequenz des Lehrerverhaltens
- Lehrer sind Modelle für soziale Interaktionsprozesse (Gruppenbildung, Kommunikation, Unterrichtsstil, positives Gruppenklima)
Einige Empfehlungen für verbale Kommunikation bei Lehrer – Schüler Interaktionen:
(Table 14.3)
- Sei direkt (Schüler beim Namen nennen, klare Ausdrucksweise)
- Sei persönlich (1.Person singular)
- Kommuniziere explizit und vollständig
- Wiederhole deine Mitteilung, falls sie nicht verstanden wurde
- Sei klar und konsistent (keine zwiespältigen Äusserungen wie z.B. „Toll gemacht“ mit Kopfschütteln)
- Trenne Tatsachen und Meinung
- Konzentriere dich auf eine Sache pro Mal (z.B. nur jeweils eine Korrektur anbringen)
- Gib unmittelbare Rückmeldungen
- Keine zweideutigen Äusserungen mit verdeckten Seitenhieben
- Sei unterstützend und ermutigend (positive Formulierung)
- Stimm deine Äusserung auf den Empfänger und Kontext ab (die gleiche Mitteilung kann je nach Sender und Empfänger unterschiedlich aufgefasst werden)
- Überprüfe, ob deine Mitteilung verstanden wurde (Blickkontakt)
Interaktionsprozesse um die Motivation der Schüler zu steigern:
(Table 14.4)
Sozioemotionales Klima:
- Annerkennung: Anerkennung und positive emotionale Unterstützung zeigen
- Persönliche Konversation: Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler über persönliche Angelegenheiten, sowie über soziale Interaktionsprozesse innerhalb der Klasse ermöglichen
Aufgabenschwierigkeit:
- Studentenvorschläge: Mitbestimmung der Studenten in der Lektionsplanung und –organisation
- Differenzierte Aufgabenstellungen: Den Schülern Aufgaben in verschiedenen Schwierigkeitsstufen anbieten und sie selber die richtige Aufgabe auswählen lassen
- Positive Erwartungen: Der Lehrer soll den Schülern verbal oder nonverbal darin bestärken, die richtige Schwierigkeitsstufe zu wählen um erfolgreich zu sein
Evaluation und Ausführung:
- Individueller Vergleich: Die Aufgabenbewältigung wird gemäss des individuellen Fortschritts ausgewertet
- Aufgabenkriterien: Lehrer – Schüler Kommunikation über die Aufgabenkriterien
- Causal attribution: Der Lehrer zeigt auf, dass Erfolg auf Begabung, Anstrengung und Misserfolg auf das Fehlen von Anstrengung / Glück zurückzuführen ist.
- Positive Bestärkung und Ermutigung: Der Lehrer ermutigt und versucht die intrinsische Motivation der Schüler zu steigern.
Authoren
Regula & Darja

